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Unterharmersbach

Gerichtslinde soll erhalten bleiben

1000 Jahre alte Linde in Unterharmersbach
1000 Jahre alte Linde in Unterharmersbach Dietmar Ruh

Zusammen dürften sie fast 1500 Jahre alt sein: Die rund 480 Jahre alte Michaelskapelle bildet mit der noch viel älteren »Gerichtslinde« im Unterharmersbacher Ortsteil Kirnbach-Grün ein vielbestauntes Ensemble.  Der Baum ist ein Naturdenkmal, allerdings hat die Zeit ihre Spuren hinterlassen. Das wiederum birgt Gefahren für die benachbarte L 94.

Ist die »Gerichtslinde« bei der Michaelskapelle in Kirnbach ein unbedingt schützenswertes Naturdenkmal, gar »der letzte Zeuge des freien Reichstals«, wie es Ortsvorsteher Hans-Peter Wagner in der Ortschaftsratssitzung am Montag formulierte? Oder ist der in sich gespaltene und auf ein Alter von rund 1000 Jahre geschätzte Baum eine Gefahr für die benachbarte Landesstraße oder die Michaelskapelle in seiner unmittelbaren Nähe?

Nun, beide Ansichten dürften ihre Berechtigung haben. Im Ortschaftsrat Unterharmersbach gab es allerdings eine deutliche Mehrheit, den Baum zu erhalten und durch einen Rückschnitt der Krone auf weitere zehn Jahre verkehrssicher zu machen.

Der Baum steht auf dem Gelände der Kapelle, somit sei letztlich die Kirche für die Pflege der Gerichtslinde zuständig, so der Tenor im Ortschaftsrat. Die Geländeeigentümerin allerdings sieht in Pflegemaßnahmen aber offensichtlich wenig Sinn:  »Die  Kirche hat bei der Unteren Naturschutzbehörde einen Antrag auf Beseitigung des Baums gestellt«, berichtete Hans-Peter Wagner dem Gremium.

Die Stadt wiederum hatte für den Baum ein Gutachten einholen lassen. Demnach habe sich die Linde seit dem letzten Rückschnitt gut erholt. Um aber die Problematik der Verkehrssicherheit in den Griff zu bekommen, empfahl der Gutachter einen Rückschnitt der Krone um rund 30 Prozent.

Wer zahlt die Pflege?
Doch wer bezahlt die neuerlichen Pflegemaßnahmen? Ludwig Schütze brachte die Meinung der Mehrheit im Gremium auf den Punkt: »Es wäre ein Frevel, wenn der Baum aus Kostengründen umfällt. Die Kirche sollte sich an den Erhaltungsmaßnahmen beteiligen«. Auch Thomas Dreher meinte, die Kirche könne sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Das Gespräch mit der Kirche soll also nochmals gesucht werden, entschied die Mehrheit des Ortschaftsrates.

Nur Dieter Heitzmann schloss sich dem Wunsch nach Erhalt des uralten Baumes nicht an: »Jede Geschichte hat mal ein Ende«, so Heitzmann. Und mit dem Zustand des Baumes sah er dieses Ende jetzt erreicht. Heitzmann plädierte dafür, die Geschichte der Gerichtslinde zu dokumentieren, aber am Standort einen neuen Baum zu pflanzen.

Die Pflegemaßnahme würde übrigens weder Stadt noch Kirche in den Ruin treiben. Zells Bürgermeister Hans-Martin Moll, der als Gast bei der Sitzung war,  überschlug die Kosten des Kronen-Rückschnitts auf rund 3000 Euro.