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Oberkirch

Kampfansage an die Kirschessigfliege

Landwirt Martin Haas (rechts) erläuterte in Ödsbach Fachleuten und Politikern, darunter der Bundestagsabgeordneten Kordula Kovac, Landrat Frank Scherer und Clemens Neumann, Abteilungsleiter im Bundeslandwirtschaftsministerium, wie stark seine Obstkulturen, unter anderem Kirschen (kleines Foto) von der Kirschessigfliege betroffen sind.
Landwirt Martin Haas (rechts) erläuterte in Ödsbach Fachleuten und Politikern, darunter der Bundestagsabgeordneten Kordula Kovac, Landrat Frank Scherer und Clemens Neumann, Abteilungsleiter im Bundeslandwirtschaftsministerium, wie stark seine Obstkulturen, unter anderem Kirschen (kleines Foto) von der Kirschessigfliege betroffen sind. Rüdiger Knie

Die Bundespolitik interessiert sich für die Probleme, die die Ortenauer Obstbauern in ihren Sonderkulturen mit der Kirschessigfliege haben. Gestern schauten sich Experten den geschädigten Betrieb von Martin Haas in Ödsbach an.

Wie sehr plagt die Kirschessigfliege die Landwirte des Obstgroßmarktes Mittelbaden (OGM)? Ministerialdirektor Clemens Neumann, Abteilungsleiter im Bundesministerium für Landwirtschaft und die Bundestagsabgeordnete Kordula Kovac (CDU) verschafften sich gestern zusammen mit Landrat Frank Scherer einen persönlichen Eindruck von der aktuellen Situation in Oberkirch. 


Zunächst im Obstbaubetrieb von Martin Haas in Ödsbach, später in der Zentrale des OGM in Oberkirch tauschten sich Fachleute und Betroffene über die Bedrohung aus, die von der Kirschessigfliege ausgeht. Triebfeder für das Treffen in der Ortenau war die CDU-Bundestagsabgeordnete, die sich bereits in Japan über die Bekämpfung der Kirschessigfliege informiert hat. Dort werden Pflanzenschutzmittel erfolgreich eingesetzt, die in der EU und insbesondere in Deutschland nicht zugelassen werden, »weil sie nach unseren Standards gesundheitsgefährdend sind«, so Kovac. 


Weil die EU-weite Harmonisierung im Pflanzenschutz fortschreitet, aber nicht abgeschlossen ist, dürfen aus der Türkei (kein EU-Mitgliedsstaat) mit dem Insektizid Dimethoat behandelte Früchte eingeführt werden. In Deutschland wurde dem Mittel nach jahrzehntelangem Einsatz die Zulassung entzogen. In der Türkei wird es gegen die Kirschessigfliege eingesetzt. 


Kein sicherer Hafen

»Sofern eine Rückstandshöchstmenge nicht überschritten wird, dürfen diese Früchte eingeführt werden«, berichtet Rolf Forster vom Bundesamt für Pflanzenschutz. Was für den Verbraucher gut ist, das deutsche Lebensmittel mit anderswo zugelassenen Pflanzenschutzmitteln nicht behandelt werden dürfen, könnte in den nächsten Jahren die  Existenz von Landwirten gefährden. Insbesondere im Sonderkulturbereich. Schon jetzt, beklagte Kovac, sei bei Junglandwirten eine Investitionszurückhaltung zu spüren, weil es keinen sicheren Hafen gebe und der Befall querbeet alle Beeren- und Steinobstsorten betreffen könne, ebenso einige Rebsorten.


Die Höhe der Schäden im OGM-Gebiet ist aus Sicht des Vorstandsvorsitzenden Wendelin Obrecht noch nicht zu beziffern. »Es ist aber schlimmer, als im bisher schlimmsten Jahr 2014.« Um größere Ernteschäden zu vermeiden, sei der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel unverzichtbar. Doch der ist teuer, weil Wirkstoffe vom Regen abgewaschen werden und regelmäßig gespritzt werden muss. Der Wirkungsgrad liege ohnehin nur bei 80 Prozent. Die Verbreitung des Schädlings sei damit nur bedingt zu stoppen – bis zu 15 Generationen seien innerhalb eines Jahres möglich. Bisher läuft die Genehmigung der Chemikalien über Notfallzulassungen, da im Gegensatz zum Getreideanbau beim Obst bislang weniger Pflanzenschutzmittel zugelassen seien.

Forschungsstand

In der Forschung nach Alternativen zum vorhandenen chemischen Pflanzenschutz geht es nur langsam voran, da sich der Einsatz für die Chemiekonzerne in der kleinen Sparte der Sonderkulturen schlecht refinanzieren lässt, erläuterte Clemens Neumann. Insgesamt 860 000 Euro, verteilt auf zwei Jahre, hat die Bundesregierung 2015/16 für Forschungsaufträge bereitgestellt. Kordula Kovac ergänzte, die Vernetzung der Labore schreite staatenübergreifend voran. 


    Passiver Schutz, beispielsweise mit Netzen, gilt in extensiven Brennkirschenplantagen als unrentabel. »Die Bereitschaft für Lebensmittel mehr Geld auszugeben, ist in Ländern wie Japan viel höher.« Das ermögliche den Landwirten dort höhere Investitionen.rüd

Insektizide gegen Kirschessigfliege mit Notfallzulassung genehmigt

Was ist das Besondere an der Kirschessigfliege?


Sie hat im Unterschied zu den heimischen Fruchtfliegen die Fähigkeit, selbst Löcher in die Früchte zu bohren. Die Weibchen haben Werkzeuge, mit denen sie die Fruchthaut verletzen können, um ihre Eier abzulegen. Sie tun das in gesunden Früchten, die innerhalb von wenigen Tagen verfaulen. In der Ortenau sind vor allem Obstbauern mit Kirschen und Beerenobst betroffen, in Südbaden auch zunehmend Winzer. Die Hauptsorten im Renchtal munden dem Schädling bislang nicht. Es gibt aber in Südbaden erste Schäden beim Riesling.


Wo kommt die »asiatische« Kirschessigfliege – »Drosophila Suzukii« – her?


Die Kirschessigfliege wandert aus dem Süden in Richtung Norden. In der Schweiz und in Südtirol ist sie schon länger verbreitet. In Baden-Württemberg ist der Schädling 2012 aufgetaucht und verbreitete sich explosionsartig. Die Insekten schätzen moderate Sommer und Feuchtigkeit. Milde Winter begünstigen ihre Ausbreitung, Frost begrenzt diese. 


Was kann man gegen die Kirschessigfliege tun? 


Insektizide bekämpfen die Kirschessigfliegen nur bedingt, sind teilweise auch schädlich für Bienen und wassergefährdend. Das Bundesamt für Verbraucherschutz hat für 2016 beispielsweise den Einsatz des Wirkstoffs Spinosad für jeweils 120 Tage gegen die Kirschessigfliege in verschiedenen Sonderkulturen in einer Notfallzulassung genehmigt. rüd